ACCRA, TAMALE, AND SOMEWHERE IN BETWEEN

Wir stehen früh auf. Die Vögel zwitschern leise, jemand fegt ihren Hauseingang, Stimmen und andere Geräusche nehmen zu, während die Sonne immer höher wandert.  Wir frühstücken und machen uns fertig für den Tag. Es gibt keinen festen Plan, nur Dinge, die erledigt werden müssen.
Wir treten nach draußen, gehen die Straße hinunter zur Kreuzung, an der wir auf ein Tro-Tro in Accra und ein Yellow-Yellow in Tamale warten, welches uns durch die Stadt bringt.

Am Tag, reden wir viel, machen Witze, lachen, verhandeln und werden ernst. Wir gehen viel, verschnaufen für einen Moment auf einer Holzbank oder einem Plastikstuhl, und warten. Ich höre Hausa, Twi, Dagbani und versuche mich mit den wenigen Worten, die ich kenne, bevor wir zu Englisch wechseln oder jemand zum Übersetzen gerufen wird. 

Wenn die Sonne am höchsten steht, suchen wir Schatten auf, essen etwas und denken darüber nach, wohin wir als Nächstes gehen und was übrig ist von dem, was erledigt werden möchte, bevor unser Tag weitergeht.

Wir sehen bekannte Gesichter, grüßen diese, und von Zeiten verweilen wir für längere Zeilen. Wir treffen neue Menschen, wir sollen uns setzen, wir nehmen uns etwas Zeit, Nummern werden ausgetauscht, Namen falsch buchstabiert, eine neue Erinnerung ist geschaffen sowie die Chance, sich erneut über den Weg zu laufen.
Langsam wird die Sonne sanfter. Die Hitze lässt ab, unser Schweiß trocknet. Mit schnellen Schritten überqueren wir den Markt, kaufen Kontumire, Tomaten und scharfe, kleine Chili. Obwohl wir zwischenzeitlich mal wieder nicht hier gewesen waren, sind wir dennoch Stammkundinnen, wir fragen nach Gara und bekommen ein, zwei Tomaten mehr.

Mit den schwarzen, dünnen Plastiktüten in unseren Händen, folgen wir den Rufen, die unsere Richtung nach Hause ansagen. Wir schlängeln uns durch die anderen Menschen und drücken uns in den Tro-Tro, in das Yellow-Yellow. “Fahrer, halte hier.”, versunken in unseren Gedanken, vergessen wir beinahe an unserer Kreuzung auszusteigen. Wir verlassen die Enge des Tro-Tros, des Yellow-Yellows und betreten die stille Straße, die uns nach Hause führt - unser Zuhause in Accra, Tamale oder irgendwo dazwischen.

Wir kochen, essen und waschen uns, bevor wir uns auf das Bett fallen lassen. Die Blätter des Ventilators schneiden schnell durch die Luft. Es ist schon lange dunkel, unsere Beine und Füße pochen von dem vielen Laufen in der Hitze. Wir reden über den Tag, was wir alles gesehen und gehört haben, sowie über das, was uns am nächsten erwartet.  Nach und nach werden unsere Lider schwerer, unsere Worte langsamer, bis nur noch der Ventilator summt und seine Luft sanft über unsere schlafenden Körper weht.
Accra
Hauptstadt von Ghana

Tamale
Nach Accra und Kumasi die drittgrößte Stadt im Norden Ghanas

Tro-Tro
Öffentlicher Nahverkehr, Kleinbusse mit 9-12 Sitzen hauptsächlich in Accra oder anderen größeren Städten 

Yellow-Yellow
Hauptverkehrsmittel, motorisierte Dreiräder, besonders in Tamale

Dagbani
neben Englisch, eine der meistgesprochenen Sprachen in Tamale

Twi/ Hausa
Zwei verschiedene Sprache unter vielen anderen, die in ganz Ghana gesprochen werden

Kontumire
großblättriges grünes Gemüse, welches in kleine Stücke geschnitten und für Eintöpfe verwendet wird

Gara
ein Hausa Wort,  Nach Gara zu fragen, bedeutet nach etwas Extra zu fragen
“Accra, Tamale and somewhere in between” ist eine Sammlung von Fotografien und Text, die tägliches Leben in Accra, Tamale und irgendwo dazwischen in Ghana eingängt. Das “wir” in dem Text bezieht sich auf Fibi Afloe und mich, Amelie. Fibi Afloe ist eine ghanaische Fotografin und enge Freundin. (2022-2024)
If you enjoy my work and are curious to learn more about my projects, exhibitions, and book recommendations, feel free to subscribe to my monthly newsletter!subscribeAmelie Koerbs, 2026
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